Neuerungen zum Jahreswechsel in der Lohnabrechnung

Autorin: Nicole Schreiber - 07.01.2021

Auch im Jahr 2022 treten wieder wichtige Neuerungen und Änderungen in Kraft. Über die Wichtigsten Änderungen informieren wir Sie nachfolgend.

Mindestlohn

Im nächsten Jahr wird der Mindestlohn zweimal angehoben. Die erste Anhebung erfolgt zum 01.01.2022 von 9,60 € pro Arbeitsstunde auf 9,82 € pro Arbeitsstunde. Die zweite Anhebung erfolgt zum 01.07.2021 auf schließlich 10,82 € pro Arbeitsstunde.

Bitte überprüfen Sie, ob die Bruttogehälter ihrer Arbeitnehmer die Anforderungen an den gesetzlichen Mindestlohn ab 01.01.2022 erfüllen.

 

Mindestlohn nach Tarifvertrag für bestimmte Branchen

Im nächsten Jahr werden auch in bestimmten tarifvertraglich gebundenen Branchen die Mindestlöhne angehoben. Exemplarisch sind nachfolgende einige Branchen dargestellt. Bitte halten Sie die Tarifverträge im Auge und teilen uns ggf. im Vorfeld mit, wenn der Tarifvertrag sich ändert und dies Auswirkungen auf Ihre Lohnabrechnungen hat.

Einige Branchen:

Gebäudereinigung: ab Januar 2022 auf 11,55

Baugewerbe: seit 01.05.2021 für die Lohngruppe 1 12,85€ und für die Lohngruppe 2 15,70€

Dachdecker:  seit Januar 2021 auf 14,10€ für gelernte Arbeitnehmer

Hotel- und Gaststättengewerbe: der Mindestlohn ist hier gleich dem gesetzlichen Mindestlohn

Pflegebranche (Altenpflege): ab April 2022 auf 13,50€ für qualifizierte Pflegekräfte

Grundsätzlich sind nicht alle Tarifverträge allgemeinverbindlich. Beachten Sie bitte, dass die Einstufung der Mitarbeiter in die jeweiligen tarifvertraglichen Entgeltgruppen von Ihnen als Arbeitgeber vorgenommen werden muss.

 

Kurzarbeitergeld

Die Bezugsdauer wird für die Betriebe, die bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt haben, bis zum 31.03.2022 verlängert.

Die maximale Bezugsdauer beträgt weiterhin 24 Monate ab erstmaliger Beantragung. Im Zuge der Verlängerung der besonderen Regelungen zur Kurzarbeit, wurde jedoch beschlossen, dass die Sozialversicherungsbeiträge ab Januar 2022 nur noch zu 50% (vormals 100%) von der Agentur für Arbeit erstattet werden.

Grundsätzlich kann Kurzarbeit angemeldet werden, wenn mindestens 10% der Beschäftigten einen Entgeltausfall von mehr als 10% haben.

Achtung 3 Monatsfrist: Wenn Sie 3 Monate am Stück keinen Antrag auf Kurzarbeitergeld gestellt haben, muss zu Sicherung des Anspruchs eine neue Anzeige erfolgen. Informieren Sie uns bitte frühzeitig, damit wir Sie bei der Anzeige unterstützen und die Fristen gewahrt werden können.

Wir empfehlen ihnen Ihre Arbeitnehmer darauf hinzuweisen, dass Sie aufgrund des Bezuges von Kurzarbeitergeld grundsätzlich alle verpflichtet sind, für das entsprechende Jahr eine Steuererklärung abzugeben.

 

Sozialversicherungsbeiträge

Die Sozialversicherungsbeiträge werden sich voraussichtlich nicht ändern. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherungen (14,6%) bleibt bei rd. 1,30 %. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag gilt als Richtgröße für die Festlegung der individuellen Zusatzbeitragssätze.

Der Beitragssatz zur Insolvenzgeldumlage sinkt von bislang 0,12% auf 0,09 %. Der Zusatzbeitrag in der Pflegeversicherung für Kinderlose erhöht sich auf 0,35%.

 

Beitragsbemessungsgrenzen

Die Beitragsbemessungsgrenzen werden zum 01.01.2022 wie folgt angepasst:

Kranken- und Pflegeversicherung                   4.837,50 € monatlich

                                                                         (2021: 4.687,50 €)

Renten- und Arbeitslosenversicherung            7.050,00 € monatlich

                                                                         (2021: 7.100,00 €)

(alte Bundesländer)

                                                                         6.750,00 € monatlich

                                                                        (2021: 6.700,00 €)

(neue Bundesländer)

 

Jahresarbeitsentgeltgrenze

Die Jahresarbeitsentgeltgrenzen bleiben zum 01.01.2022 unverändert:

Allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze          64.350,00 €

Besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze           58.050,00 € (Altfälle vor 2002)

 

Sachbezugswerte

Der Sachbezugswert für Verpflegung steigt um 7,00€ bundeseinheitlich auf 270,00 € monatlich an.

Die Werte setzen sich wie folgt zusammen:

Frühstück                 56,00 € monatlich    1,87 € täglich

Mittagessen            107,00 € monatlich    3,57 € täglich

Abendessen            107,00 € monatlich    3,57 € täglich

Der Sachbezugswert für freie Unterkunft steigt bundeseinheitlich auf 241,00€ monatlich.

 

Freigrenze für Sachbezüge

Ab 01.01.2022 wird die monatliche Freigrenze für Sachbezüge von 44,00€ auf 50,00€ angehoben.

Die Freigrenze gilt auch weiterhin nur, wenn die Sachbezüge (z.B. Gutscheine) zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden.

Da nicht jeder Sachbezug die Voraussetzung einer steuerfreien Zuwendung erfüllt, sprechen Sie uns bitte vor Gewährung von Sachbezügen (z.B. in Form von Gutscheinen) an. Grundsätzlich sind nur „Sachen/Waren“ begünstigt. Problematisch sind z.B. Gutscheine, die in Geld umgewandelt werden können (z.B. bei Umtausch/Rückgabe).


Erhöhte Pendlerpauschale

Als Ausgleich von Aufwendungen für Fernpendler wurde für die Veranlagungszeiträume 2021 bis 2026 (befristeter Übergangszeitraum) die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer wie folgt angehoben:

               auf 0,35€ pro Kilometer (Veranlagungszeitraum 2021 bis 2023)

               auf 0,38 € pro Kilometer (Veranlagungszeitraum 2024 bis 2026)

 

Betrieblich Altersvorsorge

Zum 01.01.2022 tritt die nächste Stufe des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in Kraft. Ab dem 01.01.2022 endet die Übergangsfrist für Altverträge (vor 2019) mit der Konsequenz, dass der Arbeitgeber für jeden betrieblichen Altersvorsorgevertrag einen Arbeitgeberzuschuss von mindestens 15% verpflichtend zahlen muss, wenn aufgrund einer Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht grundsätzlich vor, dass der Arbeitgeberzuschuss „on top“ gezahlt wird. In bestimmten Fällen kann dies aber dazu führen, dass die Umwandlung unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr sozialversicherungsfrei ist oder der Vertrag neu policiert werden muss, weil die Vertragsbedingungen sich durch die Erhöhung des Beitrages ändern.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Arbeitgeberzuschuss nicht on Top gezahlt wird, sondern dass sich der Entgeltumwandlungsbetrag des Arbeitnehmers verringert.

Hier wird eine Änderung der arbeitsrechtlichen Vereinbarung über die Entgeltumwandlung benötigt.

Diese Möglichkeiten müssen im Vorfeld zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und dem jeweiligen Versicherungsunternehmen besprochen werden.

 

Elektronisch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Ab 01.07.2022 startet das digitale Übermittlungsverfahren von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen durch die Krankenkassen an die Abrechnungsstellen der Arbeitgeber (uns). Der Arbeitgeber erhält keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arbeitnehmer mehr, sondern bekommt diese über das Lohnabrechnungsprogramm der Abrechnungsstelle (z.B. Steuerberater) übermittelt. Dies entbindet den Arbeitnehmer nicht von seiner Verpflichtung den Arbeitgeber über seine Erkrankung und die voraussichtliche Dauer zu informieren.

Wir als lohnabrechnende Stelle werden standartmäßig die Daten abrufen und Sie über die elektronisch übermittelten Krankheitstage ihrer Arbeitnehmer informieren. Hinsichtlich der genauen Auswertung / Vorgehensweise kontaktieren wir Sie separat.

 

Bundesweite Verdiensterhebung

Ab Januar 2022 sind ausgewählte Betriebe verpflichtet, eine monatliche Verdiensterhebung an die statistischen Landesämter zu übermitteln. Ziel der Erhebung sind unter anderem die Ermittlung des durchschnittlichen Verdienstniveaus, die Ermittlung der Anzahl der vom Mindestlohn betroffenen Personen und die Ermittlung des Verdienstunterschiedes zwischen Frauen und Männern.

Wenn Ihr Unternehmen durch das statistische Bundesamt zur Abgabe der Verdiensterhebung aufgefordert wird, bitten wir um entsprechende Mitteilung. Diese Verdiensterhebung wird von unserem Lohnteam bearbeitet und elektronisch an das statistische Bundesamt übermittelt.

 

Nachweis Elterneigenschaft

Bei aktuellen Prüfungen durch die deutsche Rentenversicherung sind vermehrt Kopien der Geburtsurkunden von den Kindern der Arbeitnehmer angefordert worden. Dies hat den Hintergrund, dass kinderlose Arbeitnehmer, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, einen Zuschlag in der Pflegeversicherung zahlen müssen (im Rahmen der Lohnabrechnung).

Arbeitnehmer sind in der Pflicht ihre Elterneigenschaft (Kopie der Geburtsurkunde) nachzuweisen. Nur wenn der Nachweis vorliegt, wird dieser Zuschlag in der Lohnabrechnung nicht berücksichtigt. Dieser Nachweis ist zu den Entgeltunterlagen / Lohnkonto zu nehmen.

 

Stundenaufzeichnungen

Gerne möchten wir Sie nochmals auf die Pflicht zur Führung von Stundenaufzeichnungen hinweisen.

Für folgende Personengruppen müssen zwingend Stundeaufzeichnungen geführt werden:

  • Minijobber (Ausnahme Privathaushalte)
  • Kurzfristig Beschäftigte
  • Arbeitnehmer in den in §2a des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes genannten Wirtschaftszweigen (z. B. Baubranche, Schausteller, Gastronomie)

Die Aufzeichnungen müssen spätesten bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertags erfolgen.

Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass diese Aufzeichnungs-und Dokumentationspflicht eingehalten wird und muss gewährleisten, dass die Aufzeichnungen bei einer (spontanen) Prüfung durch den Zoll vorgelegt werden können.

 

Corona Bonus

Das Bundesfinanzministerium hat den Zeitraum für die Auszahlung des steuer- und sozialversicherungsfreien Corona-Bonus bis zum 31.03.2022 verlängert.

Voraussetzung ist weiterhin, dass der Bonus zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird. Bei dem Betrag von bis zu 1.500 € handelt es sich um einen Freibetrag, der pro Dienstverhältnis ausgeschöpft werden kann. Arbeitnehmer, die bereits den Bonus in voller Höhe erhalten haben, können keinen weiteren Corona Bonus steuer- und sozialversicherungsfrei ausgezahlt bekommen.

Bitte kontaktieren Sie unser Lohnteam bei Rückfragen.

Beachten Sie, dass die oben gemachten Angaben lediglich als Hinweise von uns zu verstehen sind. Sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Fragen und juristische Zweifelsfragen müssen rechts- und haftungssicher mit einem Rechtsanwalt erörtert werden. Die Hinweise sind nicht als Handlungsempfehlungen zu verstehen. Für rechtliche Fragen übernehmen wir als Steuerberater keine Haftung.

 

Wir wünschen Ihnen, Ihren Familien und Ihren Arbeitnehmer ein frohes Jahr 2022.

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